Auf Einladung des Salzburger Wirtschaftsverbandes (SWV) diskutierten die ehem. Siemens-Chefin und EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer und SPÖ Landesvorsitzender David Egger über aktuelle wirtschaftliche Herausforderungen und Chancen.

Wandel nur gemeinsam schaffbar

Schwerpunkte bei dem rund 2 Stunden dauernden Wirtschaftstalk waren die Pandemie, Digitalisierung, Fachkräftemangel und der Klimawandel.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen. Diese können wir nur dann erfolgreich bewältigen, wenn wir einen klaren Plan haben und wertschätzend miteinander umgehen“, so eröffnete SWV Präsident Peter Mörwald den Wirtschaftstalk.

Mehr Zusammenhalt hilft Pandemie zu besiegen

Einig waren sich die Diskutant:innen über den Weg, wie die Pandemie beendet werden kann. „Dänemark zeigt es vor. Wir brauchen mehr Zusammenhalt und Vertrauen, dann wird es uns gelingen die Impfquote zu steigern und die Pandemie zu beenden. Jeder Versuch die Bevölkerung zu spalten oder falsche Informationen zu streuen führt nur zu einer Verlängerung der Pandemie und Wohlstandsverluste“, gibt sich David Egger überzeugt. Dänemark hat nach Erreichen einer Impfquote von 80% alle Corona-Maßnahmen beendet. Diese hohe Impfquote konnte laut dänischer Regierung  durch ein starkes Vertrauen in der Bevölkerung erreicht werden.

Beispiel Infineon: Produktion könnte von Asien nach Europa zurückkehren

„Probleme bei Lieferketten, Handelskriege und neue Technologien könnten dazu führen, dass Teile der Produktion von Asien nach Europa zurückwandern. Infineon Technologies investiert bspw. in ein neues Chipwerk und Forschungsgebäude in Kärnten. Dieses Beispiel sollte uns Mut und Zuversicht geben“, ist Brigitte Ederer (bis 05/2021 Aufsichtsratsmitglied bei Infineon) überzeugt.

Investitionen zur Bekämpfung des Klimawandels könnten zu Superzyklus führen

In Europa und Österreich werden in den nächsten Jahren gigantische Investitionen in die Transformation zu einer klimafreundlichen Wirtschaft sowie in den Ausbau von nachhaltigen Energiequellen fließen. „Es ist gut möglich, dass wir am Beginn eines Superzyklus (Anm.: Sehr starkes, lang andauerndes Wirtschaftswachstum) stehen“, gibt sich Ederer optimistisch.

Fehlende Wohnungen schwächen Standort – Egger fordert Landesregierung zum Handeln auf

Die stark steigenden Mieten und fehlende Wohnungen werden zu einem immer größeren Problem, nicht nur für die Mieter:innen, sondern auch für den Standort Salzburg. Geht dieser Trend weiter, ist es wahrscheinlich, dass darunter auch der Standort Salzburg leidet. Bereits jetzt gibt es einen akuten Fachkräftemangel. Die enormen Steigerungen bei den Mieten und Eigentumspreisen sind direkte Folge der verfehlten Wohnpolitik des Landes.

„Salzburg ist schön, aber teuer. Mehr Wohnungen, weniger Leerstand, weniger Zweitwohnsitze muss unser Ziel sein“, fordert David Egger und ergänzt: „Das allein wird aber nicht reichen. Wir brauchen auch faire Einkommen in Salzburg.“

Fachkräftemangel kreativ und konsequent lösen

Das starke Wachstum der Wirtschaft, fehlende ausländische Fachkräfte und eine verfehlte Arbeitsmarktpolitik führten in vielen Branchen zu einem Fachkräftemangel.
„Die Tourismusbranche warnte die Regierung vergeblich davor während des Lockdowns Fachkräfte in andere Branchen zu vermitteln. Nun bremsen zigtausende fehlende Arbeitskräfte die Erholung der heimischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft“, kritisiert SWV GF Hermann Wielandner die verfehlte Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung.

Das erwartete starke Wachstum in den kommenden Jahren, beinahe Vollbeschäftigung in wichtigen EU-Herkunftsländern und der demographische Wandel werden den Fachkräftemangel weiter verstärken.

„Es sind nun kreative Lösungen gefragt. In einigen Branchen werden Arbeitsplätze durch Digitalisierung und Automatisierung wegfallen. Wenn es uns gelingt diese Fachkräfte in Branchen umzuschulen, die händeringend nach Personal suchen, dann würden wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, gibt sich Wielandner optimistisch.

100 Persönlichkeiten  aus Politik und Wirtschaft waren Gäste in der Villa Trapp

Der Einladung zum Wirtschaftstalk am 24. September im geschichtsträchtigen Ambiente der Villa Trapp folgten 100 Opinion Leader aus Politik und Wirtschaft. Für den SWV war es die erste größere Veranstaltung seit Ausbruch der Pandemie. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit BSA und RI abgehalten. Die 3G Regel wurde bei diesem Freiluftevent lückenlos kontrolliert. Alle Gäste wurden für eine etwaige Kontaktnachverfolgung registriert.

Der Salzburger Wirtschaftsverband (SWV) ist mit fast 1000 Mitgliedern der zweitgrößte Wirtschaftsverband in Salzburg. Der Fokus liegt auf der Vertretung der Interessen von Ein-Personen-Unternehmer:innen und Kleinbetrieben.